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Aktualisiert am: 10. Juli 2026
Veröffentlicht am: 10. Juli 2026
„Das können die schon selbst." Der teuerste Satz meiner ersten Jahre als Culture Advisor.

Was ist dir von deiner ersten großen Werte-Messung geblieben?

Bei mir ist es ein Bild, ein Graphic Recording, bunt, groß, an der Wand gerahmt. Ich könnte dir heute noch beschreiben, wie es aussah.
Was ich dir nicht erzählen könnte: was eigentlich im Messergebnis stand. Woran das Unternehmen hätte arbeiten müssen und was aus all den Erkenntnissen geworden ist.

Das ist der Moment, an dem ich anfange, wenn ich zurückblicke auf meine ersten Jahre als Culture Advisor. Nicht aus Selbstkritik, aus Klarheit darüber, was ich heute anders mache und warum mir das damals niemand gesagt hat.

Zwei Projekte, ein Anfang

Mein erstes Projekt hat zwei Welten verbunden, die sich sonst kaum begegnen: den Performance-Fokus eines Geschäftsführers und den Wunsch seiner Führungskräfte nach einer gemeinsamen Vision, nach gemeinsamen Werten. Die Messung hat genau das möglich gemacht. Sie hat das Thema Werte verhandelbar gemacht – am Tisch des Geschäftsführers, nicht nur im Grundsatzpapier der HR.

Das Projekt, das dann wirklich ins Rollen kam, war ein anderes: eine Messung mit hundert Führungskräften und Ingenieuren. Menschen, die man nicht unbedingt sofort in einem Gespräch über Werte vermutet. Und plötzlich sprachen sie darüber. Nicht, weil es nett klang. Weil es für sie Sinn ergab – und zu einem echten strategischen Hebel wurde.

Beide Projekte haben funktioniert. Beide waren ein Anfang.

Und trotzdem: Wenn ich heute noch einmal starten würde, gäbe es fünf Dinge, die ich anders angehen würde.

1. Das Top-Management immer zusätzlich begleiten

Leaders going first. Heute würde ich von Anfang an mit Einzel-Feedbacks für das Top-Management arbeiten – nicht als Kür, sondern als festen Bestandteil. Gemeinsam die nächsten Schritte besprechen. Sie darin unterstützen, Role Model zu werden.

Denn eine Kultur verändert sich nicht, weil eine Grafik an der Wand hängt. Sie verändert sich, wenn die Menschen an der Spitze sichtbar vorangehen.

2. Change Communication als eigenes Thema ernst nehmen

Wir haben damals gute Change Communication gemacht. Trotzdem würde ich ihr heute mehr Raum geben – als eigenständiges Thema, nicht als Anhängsel der Messung.

Geschäftsführer, die ihre eigene Lernreise erzählen. Die Storytelling betreiben, wie sie erfolgreich in die Zukunft führen wollen. Das ist kein Nice-to-have. Das entscheidet, ob aus einer Messung eine Bewegung wird.

3. Mehr Klarheit im Vorgehen nach der Messung

Eine Empfehlung für ein Vorgehen gab es damals auch. Aber ich hatte nicht die Klarheit, die ich heute habe, durch Erfahrung, durch Projekte, durch mein eigenes Lernen.

Heute kann ich viel präziser sagen: So geht es weiter. Das ist die Logik, das funktioniert und bitte mit Stringenz. Diese Sicherheit entsteht nicht am Schreibtisch. Sie entsteht, indem man es immer wieder tut, hinschaut und nachjustiert.

Und genau das ist auch die Antwort auf die Frage, warum mir das damals niemand gesagt hat: Es lag nicht daran, dass es mir jemand verschwiegen hätte. Ich hatte selbst die Bedeutung nicht erkannt und dachte, Führungskräftetrainings würden es schon richten. Diese Klarheit musste erst wachsen.

4. Werte im Unternehmen verankern: Verbindlichkeit von Anfang an

„Das können die schon selbst.“ Diesen Satz habe ich mir in den ersten Jahren öfter gedacht, als mir heute lieb ist.

Er stimmt fast nie. Für Unternehmen ist der Weg von der Messung zur echten Verankerung herausfordernd auch wenn sie klug, erfahren und gut aufgestellt sind. Heute baue ich die Verbindlichkeit von vornherein ein: klare nächste Schritte direkt nach der Messung, damit Dranbleiben leichtfällt, nicht, weil ich misstraue, sondern weil ich weiß, wie schnell gute Erkenntnisse im Alltag untergehen, wenn niemand den nächsten Schritt konkret macht.

5. KI als Beschleuniger nutzen

Transformation braucht Zeit. Das bleibt wahr.

Trotzdem würde ich heute die Künstliche Intelligenz (KI) viel intensiver einsetzen zum Verdichten von Ergebnissen, zum schnelleren Sichtbarmachen dessen, was in einer Organisation wirklich bewegt. Ich würde es nicht tun, um die Reise abzukürzen, sondern um an den richtigen Stellen Tempo aufzunehmen. Denn Geschwindigkeit an der richtigen Stelle macht Lust oder macht es leichter, dranzubleiben.

Was bleibt

Ich diagnostiziere Werte, ich diskutiere sie nicht, besser gesagt, ich initiiere die richtigen Dialoge. Diese Haltung ist mir heute klarer als am Anfang und auch das musste wachsen.

Wenn ich auf meine ersten Jahre als Culture Advisor blicke, sehe ich kein Scheitern. Ich sehe den Weg, der sich unter die Füße schiebt, während ich ihn ging.

Vielleicht kennst du das aus deiner eigenen Anfangszeit, in welchem Feld auch immer: Man macht das Beste mit dem, was man in dem Moment sieht. Und erst im Rückblick wird klar, was man noch nicht sehen konnte.

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Dr. Andrea Maria Bokler

Über die Autorin

Ich unterstütze Führungskräfte und Entscheider dabei, wertebasiert in die Zukunft zu denken und in ihrem eigenen Leben und Unternehmen stärker wirksam zu werden.

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