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  • Der Weg in die Selbständigkeit – 10 Tipps, die ich meinem früheren Ich geben würde
Oktober 8, 2021
Andrea Maria Bokler

Als ich mich 2003 mit changemanagement.biz selbständig gemacht habe, war das größere Ziel meiner Selbständigkeit, eine Form zu finden, in der ich meine Doktorarbeit zu „Beratung in Veränderungsprozessen“ abschließen konnte. Vorher war lange die Idee, dass ich die nebenher schreibe. Nebenher schreiben sich Doktorarbeiten jedoch nicht von alleine und oft vor allem nicht fertig. Ich nutzte die Selbständigkeit, um die Doktorarbeit fertigzustellen und anschließend war ich selbständig. Damals überwiegend als Trainerin für namenhafte Unternehmen zu den Themen: Projektmanagement, Persönlichkeitsentwicklung und Führungskräfteentwicklungsprogramme. 

 

Mein Fokus lag schon immer auf Change

 

Da ich schon immer die Frau für Change bin und meine Doktorarbeit auch den Fokus Organisationsentwicklung (OE) hatte, war es nicht verwunderlich, dass ich stärker Change Projekte oder OE-Projekte machen wollte. Dafür hatte ich damals nicht die Kund*innen und auch nicht die Kooperationspartner*innen. Deswegen habe ich dem Wunsch nachgegeben, habe die Selbständigkeit fürs Erste hinter mir gelassen und bin 2005 wieder ins Angestelltenverhältnis gegangen, um große Change Projekte verwirklichen zu können. Und das tat ich auch. Interessante Transformationsprojekte bei DAX Unternehmen in einem Beraterteam von 10 Berater*innen. Damals war mir wichtig, in einem Team einen Unterschied zu machen und wirksam zu werden, Großgruppenveranstaltungen zu machen, international zu arbeiten usw. Meine Selbständigkeit hatte ich weiterhin und brauchte dann auch zum Ausgleich Kund*innen aus dem Non-Profit-Umfeld, bei soviel DAX Unternehmen.

 

Bereit für die nächste Selbständigkeit

 

Nach fünf Jahren war genug gelernt, ausprobiert und erfahren und bekanntlich schiebt sich für mich der Weg unter die Füße. Ich startete erneut meine Selbständigkeit mit Changemanagement.biz und heute andrea-maria.com. Das war vor 11 Jahren, am 1. September 2010 und ich bin dankbar für die Jahre. Damals wusste ich nicht, dass ich acht Monate später ernsthaft an EHEC mit Hus erkrankte und mich das für neun Monate komplett aus dem Verkehr ziehen würde. Es ist auch gut, dass ich nicht wusste, welche Höhen und Tiefen das Leben für mich bereithält. 

Wenn ich heute mein Tun und Schaffen reflektiere, dann hat sich das in den letzten 20 Jahren total gedreht. Die Beschreibung “beraten, trainieren, moderieren, coachen” ist gleich geblieben aber die Form hat sich total geändert. Nicht nur mit dem Fokus auf Online, auch die Kundenbeziehungen, die Kundenerwartungen und das ganze Umfeld sind anders.

Beispielsweise hatte ich vor 13 Jahren einen Kunden, wo ich 3x die Woche vor Ort war und vor allem deren Räumlichkeiten als meinen Arbeitsort nutze, was mir heute ganz seltsam vorkäme. 

 

10 Tipps für frischgebackene Selbständige

 

Aus der Sicht von heute, was würde ich Andrea Maria beim Start in die Selbständigkeit und als Unternehmerin empfehlen. Ich habe mal 10 Tipps zusammengestellt.

 

 

  1. Meine Werte sind handlungsleitend
    Werte sind mein Business. Doch es ist macht einen Unterschied, ob ich die explizit habe oder nicht. Als ich 2003 gestartet bin, hatte ich meine Werte nicht so klar wie 2010. Damals hatte ich meine Werte vage vor Augen. Meine Werte sind heute Mittelpunkt meines Business, danach richtet sich meine Mission, meine Vision und meine Ziele. Die eigene Werte als Unternehmer*in zu bestimmen und diese in den Mittelpunkt zu stellen, machen das Ganze leicht. Es ist immer wieder meine Frage, zahlt der Kunde oder das Thema auf meine Werte ein. Wenn es ein “ ja” gibt, kann es losgehen. 
  2. Die eigenen Webseite ist nicht der Startpunkt
    Auf die Frage, brauche ich eine eigene Webseite, wäre meine Antwort heute ganz klar. Nein, ich brauche keine Webseite, kein Logo, kein Briefpapier etc. Ich habe einen Namen und brauche eine E-Mail Adresse. Mein Profil kann ich heute einfach auf Linkedin aktuell halten und los geht es. Das Thema Webseite ist oft eine Vermeidungsstrategie, um nicht anzufangen. Das ist ganz schnell ein Projekt, welches sich ausdehnt und es findet kein Ende mehr. Leichter geht es mit der Webseite, wenn ich gut im Geschäft bin und aus dieser Erfahrung und Energie heraus eine Webseite gestalte. 
  3. Kooperationen zum Starten
    Kooperationspartner*innen sind für Trainer*innen und Berater*innen zum Start hilfreich. Es ist gut, wenn beide Parteien unterschiedliche Dinge einbringen. Wenn ein Kooperationspartner im Markt etabliert ist und ich dadurch Zugang zu Projekten und Firmen bekomme, ist das eine gute Win Win Situation. Wichtig dabei ist, dass dies auf Augenhöhe stattfindet und auf die eigenen Werte einzahlt. Für Kooperation und Zusammenarbeit mit höheren Zielen, ist das Klären der Ebene 1 “Überleben” immer sehr hilfreich. Die Zusammenarbeit in Projekten oder Kooperation funktioniert, wenn Klarheit zu den Basics da ist und nicht die erste Frage ist, welches Logo auf den Folien auftaucht. 
  4. Profit First bringt Transparenz
    Das System Profit First würde ich im Nachhinein von Anfang an nutzen. Der Vorteil ist, Umsatz ./. Gewinn = Kosten, das ist ein einfaches Kontensystem, um einen besseren Überblick zu behalten. Viele bekommen dadurch einen anderen Blick auf ihr Business. Und wenn es nicht Profit First ist, dann mindestens eine  einfach Übersicht über die Kosten. Es geht nicht darum, ob ich die Buchhaltung selbst mache. Das habe ich am Anfang selbst gemacht (als ehemalige Bänkerin), dann ausgelagert und heute mache ich das Dank Lexware wieder selbst (digital + einfach). Trotzdem habe ich mir eine Übersicht angelegt für alle Kosten rund um mein Online Business (Website, Hosting, Provider, Plugins, VA, etc.) – die Transparenz hilft sehr. 
  5. Neugierig sein und und kontinuierlich lernen
    Kontinuierliches Lernen und persönliches Wachstum ist mir einer Freude. Dann finde ich auch noch neue Technologien interessant. Das ganze in Kombination mit Kolleg*innen oder Netzwerkpartner*innen, ist einfach genial. Interessanterweise spüre ich mehr Verbundenheit zu meinen Kontakten als früher, wo vielleicht dieser Kontakt mein direkter Kollege war. Ich habe mehr Austausch, Vernetzung und gemeinsames Lernen. Beispielsweise lerne ich gerne mit meiner Lernduo Partnerin Heike Heeg und wir haben viele Weiterbildungen zusammen besucht und eigene Lernduo Weiterbildungen für uns kreiert. Aus diesem Lernen ist ganz viel Neues entstanden. 
  6. Klarheit, mit wem ich arbeiten will
    Es ist nicht die Frage, wen ich aufgrund meiner Erfahrung nicht mehr will, sondern wen ich will. Meinen Lieblingskunden zu beschreiben oder neudeutsch, einen Kundenavatar anzulegen, hätte ich früher machen können. Mir kam das immer sehr technisch vor und doch ist es ganz leicht. Mit wem habe ich Lust zu arbeiten und was schaffen wir zusammen?
  7. Nie mehr als 25 % pro Kunde
    Das halte ich konsequent ein und ist auch eine Maßgabe in der Zusammenarbeit mit Kunden. Richtig bewusst wurde es mir nach der kleinen und feinen Lektüre meiner Kollegin Marianne Grobner “gut beraten: Persönliche Notizen einer Beraterin Danach begann ich, die Zahl immer konkret zu ermitteln: Kein Kunde macht mehr als 20-25% meines Umsatzes aus. Hierbei geht es mir um eine Risikoverteilung und darum, meinen Wert Unabhängigkeit zu leben. Es gilt auch der Versuchung zu widerstehen und sich selbst eine Schieflage zu zimmern. Mir hat diese Maßgabe eher Respekt und weitere Aufträge eingebracht.  
  8. Keinen Bauchladen haben
    Ich liebe die Möglichkeiten, kann Vieles und es macht mir auch Freude. Trotzdem gibt es Sachen, die mache ich noch lieber und das ändert sich auch. Meine Expertise auf den Punkt zu bringen und mich noch klarer damit zu zeigen, hätte es anderen leichter gemacht, mit mir zu arbeiten. Klarheit ist auch ein Wert, bei der Nische und auch bei der Sichtbarkeit. Heute würde ich so vielen Leuten wie möglich erzählen, dass ich selbständig bin und sagen, dass ich Aufträge suche, wenn ich welche brauche. 
  9. Texten – ich schreibe selbst
    Zum Schreiben von meinen Texten, ob Blog oder Webseite hatte ich alle Mindfucks, die man sich nur vorstellen kann. Wieso schreibe ich nicht fehlerfrei, andere können das schneller, schöner und besser. Ich habe in der Vergangenheit viele tolle Texterinnen kennengelernt und schätze ihre Kunst. Durch Judith Sympatexterin habe ich die Freude am Schreiben für mich entdeckt und ich schreibe selbst, meine Webseite, meine Blogs, meine Texte. Da ist meine Energie drin. Was ich nutze, ist die Kompetenz von meinem Team, beispielsweise Texten den finalen Schliff zu geben, zu hübschen, in die Kanäle zu bringen oder einer Füchsin, der keine Fehler entgehen. 
  10. Ich bin Unternehmerin!
    Ich bin Selbständige oder ich bin Unternehmerin, das sind unterschiedliche Sätze. Dann noch die Frage, arbeite ich im oder am Unternehmen. Dazu gehört erstmal ein klares Ja zum Unternehmerinnen-Dasein und dann gibt es viel zum Lernen. Nicht nur das  Unternehmerinnen-Dasein, sondern auch das an sich arbeiten, oder Themen wie Vertrieb, Prozesse und Strukturen.
    Als Unternehmerin sollte ich mein eigenes Business im Blick haben. Ich erinnere mich noch an einen Kollegen, der sagte, irgendwann möchte er sein eigenes Schild raushängen und so gehen die Jahre ins Land und das eigenen Schild bleibt ein Traum. Was für mich mittlerweile gut funktioniert, um neue Themen zu kreieren, ein “Do not call on Monday” – denn der Montag wird immer genutzt, um mein Business weiter zu entwickeln.  

 

 

 

Andrea Bokler

Über die Autorin

Ich unterstütze Führungskräfte und Entscheider dabei, wertebasiert in die Zukunft zu denken und in ihrem eigenen Leben und Unternehmen stärker wirksam zu werden.

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