Erfolg ist nicht, was du erreicht hast, sondern ob es gelungen ist.
Meine Definition von Erfolg hat sich in den letzten Jahren still, aber grundlegend verändert. Nicht weil ich weniger ehrgeizig geworden bin. Sondern weil ich klarer geworden bin über das, was wirklich zählt.
Was ich früher unter Erfolg verstanden habe
Vor einigen Jahren hätte ich dir diese Frage schnell beantwortet. Abgeschlossene Ausbildungen. Zertifikate. Nachweise, dass ich etwas zu Ende gebracht habe.
Das klingt kleiner, als es war. Aber es war nicht klein. Es war mein Anker. Eine Ausbildung nicht abzuschließen, ob duale Ausbildung, Studium oder Weiterbildung, das war für mich schlicht undenkbar. Vollenden bedeutete: Ich kann es.
Heute würde ich einige dieser Ausbildungen gar nicht erst anfangen. Nicht weil ich das Durchhalten aufgegeben hätte. Sondern weil ich inzwischen klarer weiß, was wirklich zählt.
Wertebasierter Erfolg beginnt mit der Frage: Ist es gelungen?
Als Unternehmerin bin ich natürlich nicht naiv. Umsatzziele gehören dazu. Der Laden muss laufen. Das ist kein Widerspruch zu Werten, es ist die Voraussetzung, sie überhaupt leben zu können.
Aber die Frage, die mich wirklich beschäftigt, ist eine andere.
Ist das, was ich tue, gelungen?
Der Neurowissenschaftler Gerald Hüther hat mir dafür ein Bild gegeben, das mich seitdem nicht mehr losgelassen hat: Ein Kuchen ist dann gelungen, wenn er so aussieht, wie man ihn sich vorgestellt hat. Nicht wenn die Backzeit um ist. Sondern wenn Form und Vorstellung übereinstimmen.
Nicht: Habe ich alles erledigt? Sondern: Ist es so geworden, wie es sein sollte?
Das ist meine Definition von Erfolg.
Wohlbefinden zuerst, dann kommt die Wirksamkeit und das Ergebnis folgt
Diese Frage, ist es gelungen? hat für mich eine Voraussetzung, die ich lange übersehen habe.
Es gibt eine Reihenfolge, die ich früher falsch herum gelebt habe. Ich dachte: Erst das Ergebnis. Dann, wenn genug erreicht ist, darf ich mich gut fühlen.
Heute weiß ich: Es ist umgekehrt.
Wohlbefinden ist für mich der wichtigste Wert. Nicht, weil er sich schön anhört, sondern weil ohne ihn nichts anderes trägt. Wenn es mir gut geht, kann ich wirksam werden. Und erst dann entstehen die Ergebnisse, die wirklich zählen.
Das ist kein Selfcare-Zusatz am Rand meines Kalenders. Das ist die Grundlage, auf der alles andere steht.
Wer erschöpft ist, führt schlechter. Wer sich selbst verliert, kann anderen keine Orientierung geben. Erfolg, der auf Kosten des Wohlbefindens erkauft wird, ist für mich kein Erfolg. Das rechnet sich am Ende nicht.
Authentizität ist keine Soft Skill – sie ist der Kern
Erfolgreich zu sein bedeutet für mich auch, authentisch zu sein. Mit mir im Einklang zu sein. Meine Werte zu leben.
Das ist keine spirituelle Romantik. Das ist eine gesunde Form von Erfolg und sie kann auf ganz unterschiedlichen Ebenen sichtbar werden:
- Meinen Lebensunterhalt zu verdienen, der meinen Werten entspricht.
- Mich kreativ auszudrücken und dabei zu spüren, dass es stimmt.
- Beziehungen zu gestalten, die auf Augenhöhe funktionieren.
- Einen Beitrag zu leisten, der über mich selbst hinausgeht.
Wenn all das im Einklang ist: Das ist Erfolg.
Vom Wirken zum Ermöglichen: Eine stille Verschiebung
Was „gelungen“ für mich bedeutet, hat sich in den letzten Jahren verschoben, ruhig, aber deutlich.
Früher war mein Wunsch: Ich möchte wirksam sein und einen Unterschied machen.
Das ist noch immer wahr. Aber es reicht mir nicht mehr.
Heute geht es mir darum, so zu wirken, dass andere Menschen etwas bewirken können. Ich möchte keine Insellösung sein. Ich möchte einen Rahmen mitbauen, eine Matrix, die Menschen trägt, die selbst gestalten wollen. Die Gutes tun wollen in ihren Organisationen, in ihrer Arbeit, in der Welt.
Das ist eine andere Dimension von Einfluss. Keine, die sagt: Schau, was ich getan habe. Sondern eine, die fragt: Was ist durch dich möglich geworden?
Spiritualität und Erfolg schließen sich nicht aus
Das ist ein Mythos, den ich immer wieder höre und dem ich klar widerspreche.
Spiritualität und geschäftlicher Erfolg stehen nicht im Widerspruch. Sie bedingen einander, wenn die Grundlagen stimmen.
Im Barrett-Modell, mit dem ich arbeite, beschreiben die ersten drei Ebenen unsere Grundbedürfnisse: Sicherheit, Beziehung, Selbstwirksamkeit. Wer dort gut versorgt ist, kann sich öffnen, nach außen, in die Gemeinschaft, in den Beitrag. Die Ebenen 5, 6 und 7 im Barrett-Modell stehen für einen Beitrag leisten, Kooperation und Dienst an etwas Größerem.
Das funktioniert nur, wenn wir gut geerdet sind. Mit beiden Beinen auf dem Boden. Unsere Grundbedürfnisse erfüllt.
Kein Schweben. Kein Abheben. Echte Präsenz.
Eine Inspiration kann auch das Interview mit Nico Balschuweit dazu sein.
Wenn Erfolg nicht mehr reicht: Wie Nico im Ruhestand seine Freiheit fand
Was meine Vision mit Erfolg zu tun hat
Meine Vision – ich sage das ohne große Geste – ist eine Zukunft, in der Organisationen aufhören, Wandel zu verwalten, und anfangen, ihn wertebasiert mitzugestalten. In der Wirtschaft und Gemeinwohl keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig tragen.
Dazu beizutragen: Das ist für mich Erfolg.
Nicht weil es schön klingt. Sondern weil es sich so anfühlt, als würde ich genau das tun, wofür ich hier bin.
Auch meine eigene Antwort schärft sich gerade
Diese Frage stelle ich mir nicht nur für andere. Ich stelle sie mir gerade auch für mich selbst.
Meine eigene Positionierung wird klarer: Ich bin Culture Advisor. Jemand, die mit Wissen und mit Spiritualität Neues in die Organisationen bringt, mit denen sie arbeitet.
Das ist einerseits ein neues Angebot. Andererseits ist es vor allem eine Haltung, die sich weiterentwickelt, die akademische Präzision meiner Diagnostik und meine Intuition nicht länger getrennt zu halten, sondern als das zu zeigen, was sie längst sind: zwei Seiten derselben Arbeit.
Auch das ist für mich gerade Erfolg. Nicht ein neues Etikett. Sondern eine Rolle, die endlich zu dem passt, was ich wirklich tue.
Was bedeutet Erfolg für dich?
Vielleicht lohnt es sich, diese Frage einmal neu zu stellen, ohne die Antwort, die du bisher gegeben hast.
Nicht: Was habe ich erreicht?
Sondern: Ist es so geworden, wie es sein sollte?
Ich lade dich ein, dir diese Frage zu stellen. Und ehrlich auf die Antwort zu hören.


