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Januar 19, 2017
„Time to think“ von Nancy Kline: Ein Buch zum Nachdenken übers Denken

Denken ist wie atmen, das machen wir doch unwillkürlich – oder? Nancy Klines Buch „Time to think“ hat mich allerdings dazu gebracht, übers Denken neu nachzudenken. Und ich finde, sie hat recht: Wir können in unserem beruflichen wie privaten Umfeld eine Atmosphäre schaffen, die die Qualität des Denkens steigert. Das heißt mehr Eigenständigkeit, Mut und Kreativität im Denken, weg von einschränkenden Annahmen, bessere Kommunikation und dadurch bessere Entscheidungen und besseres Handeln. Das Buch zeigt mit zehn einfachen Regeln, wie ein solches „Thinking Environment®“ erschaffen werden kann.

Dabei finde ich schon den Titel super: „Time to think“, das Denken in den Mittelpunkt zu stellen, ist clever, denn „gut denken“ möchte ja jeder. Noch dazu ist der Titel doppeldeutig: „Zeit zum Denken“ und „es wird Zeit zu denken“ lässt sich da herauslesen. Beides finde ich zutreffend.

 

Zehn Komponenten für ein „Thinking Environment®

Zehn Komponenten hat Nancy Kline in einfache Regeln gefasst, die sie mit vielen Beispielen untermauert. Bei oberflächlicher Betrachtung hatte ich zuerst den Eindruck, dazu ist doch eigentlich schon alles bekannt. Doch das Buch gibt uns die Chance, nochmal anders darauf zu schauen und neue Erkenntnisse zu gewinnen, teilweise regelrechte Aha-Erlebnisse. Es scheint, dass dann alles möglich wird.

Hier die zehn Regeln in Kurzform – auf drei davon will ich gleich noch näher eingehen.

  1. Aufmerksam und mit spürbarem Respekt zuhören
  2. Gleichheit unter ebenbürtig Denkenden erzeugen
  3. Gelassenheit bringt schöpferische Ruhe
  4. Konkrete, prägnante, aufrichtige Wertschätzung zeigen
  5. Menschen ermutigen, über das Übliche hinaus zu denken
  6. Gefühle zulassen und erforschen, denn das ermöglicht tiefer gehendes Denken
  7. Informationen anbieten, nichts zurückhalten, sich Dinge eingestehen
  8. Diversität fördern, dem Geist die Vielfalt der Realität anbieten
  9. Durch „Incisive QuestionsTM“ einschränkende Annahmen auflösen
  10. Ein physisches Umfeld der Wertschätzung schaffen

 

 

Mit einschneidenden Fragen Mauern einreißen

Total beeindruckt haben mich die „Incisive QuestionsTM“. Sie werden eingesetzt, wenn bestimmte Annahmen das Denken einschränken, z. B. Annahmen über sich selbst oder darüber, wie das Leben funktioniert. Im Buch gibt dazu Beispiele – schon beim Lesen hatte das eine starke Wirkung auf mich. Der erste Teil der Frage ist eine Annahme, z. B.: „Wenn Sie die Leitung der Firma übernehmen sollten, welches Problem würden Sie zuerst lösen und wie würden Sie das tun?“ Oder „Wenn Sie sich in Ihrem Leben nicht zurückhalten müssten, was würden Sie dann tun?“

Wenn ich im Denken zu einem Thema festgefahren bin, kann ich mich fragen, welche Annahme mich hier wohl blockiert. Ich muss gut in mich hineinhören, um dem auf die Spur zu kommen. Doch dann kann ich eine einschneidende Frage daraus machen. Allein das kann schon die gedankliche Blockade lösen.

 

Ausprobieren!

Beim 20. Lernforum Großgruppenarbeit (15./16. Jan. in Oberursel) war Nancy Klines Arbeit zentrales Thema, vorgestellt von ihrer Meisterschülerin Maryse Barak und übersetzt von Marion Miketta. Anschließend haben wir die Regeln in einer Session selbst ausprobiert.

Zwei Highlights: Einmal der Satz „Sometimes the mind cannot tell the difference between love and attention“. Ungeteilte, respektvolle Aufmerksamkeit ist so stark! Wenn man nicht unterbrochen wird, entspannt sich der Geist. Also hängt es von der Qualität der Aufmerksamkeit ab, wie sich beim Gegenüber die Qualität des Denkenden entfalten kann. Das versuche ich künftig besser zu beherzigen. Denn ich ertappe mich selbst immer wieder dabei, dass ich andere unterbreche.

Das zweite Highlight war die unglaubliche Wirkung, wenn man Stille zulässt, Tiefe und Verlangsamung spürt. Mehr Gelassenheit, weniger Drängen und weniger Eile, das ist auch etwas, worauf in Zukunft mehr achten will.

 

Lektüretipp

Das Buch „Time to think: Zehn einfache Regeln für eigenständiges Denken und gelungene Kommunikation“, schon 1999 in USA veröffentlicht, ist im Sommer 2016 als Taschenbuch bei Rowohlt erschienen.

Interview mit Marion Miketta zu ihrem Buch „Thinking Environment“ in mittwochs online, 13.11.2019

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Dr. Andrea Maria Bokler

Über die Autorin

Ich unterstütze Führungskräfte und Entscheider dabei, wertebasiert in die Zukunft zu denken und in ihrem eigenen Leben und Unternehmen stärker wirksam zu werden.

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