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Oktober 17, 2019
Team-Erlebnis Jakobsweg: Wie eine Dachdeckerfirma noch stärker zueinander findet

Interview mit Geschäftsführer Michael Zimmermann

14 Dachdecker der Firma Zimmermann Bedachungen aus Ockenheim pilgerten gemeinsam auf dem Jakobsweg. Als ich das Ankündigungsvideo sah, dachte ich, den muss ich interviewen. Ich hatte ja schon mal einen ähnlichen Beitrag. Also wollte ich wissen, wie es dazu kam, was das Team erlebt hat, was sich danach in der Firma verändert hat und welcher Führungsgedanke dahintersteht. Das habe ich den Geschäftsführer, Michael Zimmermann, gefragt.

Herr Zimmermann, nachdem Sie gemeinsam auf dem Jakobsweg gegangen sind, wie hat sich das Miteinander der Mitarbeiter, die Teamdynamik im Unternehmen verändert?

Wir hatten vorher schon eine sehr gute Stimmung im Team. Wir haben ein gutes Team, eine gesunde Mischung von älteren und jüngeren Mitarbeitern. Aber die Mystik und die Geschichte des Jakobswegs, das ganze Drumherum haben uns noch viel enger zusammengeschweißt, das merkt man ganz deutlich.

Auch dadurch, dass die Jungs so im Mittelpunkt standen. Wir sind ja in Zunft gelaufen. Wenn 14 Handwerker in Zunftkleidung auftauchen, das fällt auf! Wir wurden oft angesprochen, und das Feedback, das wir bekommen haben, auch durch die sozialen Netzwerke, war unglaublich. Unglaublich positiv – wir sind richtig getragen worden von einer Euphoriewelle, die noch lange nachgewirkt hat. Das hat uns total gutgetan! Es war vorher schon gut, aber jetzt ist es noch besser.

Woran merken Sie, dass es jetzt noch besser ist? Gibt es Dinge, wo Sie sagen, dass ist jetzt nochmal anders?

Der Zusammenhalt, die Stimmung, die Einstellung, das ist alles positiv. Jeder nimmt auf den anderen mehr Rücksicht, ist verständnisvoller. Wir sind ja eigentlich nur drei Tage gelaufen, mit Hin- und Rückfahrt waren es fünf Tage. Da hatte man viel mehr Zeit als sonst, sich zu unterhalten. Wenn man eine Zeitlang miteinander läuft, tauscht man sich auch aus und erzählt sich Dinge, die man sonst so nie preisgeben würde.

Das ganze Drumherum war sehr positiv, wie wir uns präsentiert haben und wie wir aufgefallen sind, die Mitarbeiter haben das total genossen. Uns verbindet die Firma, klar, uns verbindet der Beruf. Aber hier hat uns auch die einheitliche Kleidung extrem miteinander verbunden.

Das ist schon eine heterogene Truppe, alles sehr eigenständige Persönlichkeiten. Wir haben junge Leute, Auszubildende, junge Meister und erfahre Altgesellen, die schon 25 Jahre oder länger in der Firma sind. Da war auch ein Mitarbeiter, der war eigentlich gar nicht so angetan, Laufen war so gar nicht seine Disziplin. Anfangs merkte man auch, dass er nicht so viel Lust hat. Aber er hat das durchgezogen und war nachher total begeistert – weniger vom Laufen, aber von dem ganzen Drumherum, das fand er einfach klasse.

Wie waren Sie unterwegs, wie lief das ab?

Morgens haben wir uns verabredet und sind losgelaufen, aber jeder dann in seinem Tempo. Ich habe gesagt, jeder geht seinen eigenen Jakobsweg. Bei Pausen oder abends in der Unterkunft haben wir uns wieder getroffen.

Am Anfang gab es eine Truppe, die „jungen Wilden“, die sind losmarschiert ohne Pause und waren nach sechs Stunden da. Die letzte Truppe ist abends um halb acht reingekommen, aber sie hatten total coole Gespräche, hatten Leute kennengelernt, sich ausgetauscht. Die haben von ihren Erfahrungen berichtet, und am zweiten Tag haben sich die „jungen Wilden“ auch mehr Zeit gelassen. Haben das dann weniger sportlich gesehen, sondern eher aufgesaugt, was ihnen so begegnet ist und was sie an Eindrücken gewinnen konnten.

Sie sind ja schon mehrmals den Jakobsweg gelaufen. Was war ihr ganz persönlicher Beweggrund, genau diese Reise mit der Firma anzutreten?

Wir wollten mal was Besonderes machen, etwas, das nicht jeder kennt. Kletterpark, Rafting – das hat jeder schon mal als Teamevent gemacht, wir auch. Es sollte etwas sein, das man nicht direkt mit Betriebsausflug in Verbindung bringt, das nachhaltig ist. Dass jeder ein bisschen zur Besinnung kommt und sich Gedanken macht über sich selbst, über das Ganze, natürlich auch über die Firma. Und es sollte auch Action dabei sein.

Aber der Hauptgrund war, einfach mal Danke zu sagen. Es ist keine Selbstverständlichkeit, wie sich unser Team für das Unternehmen und unsere Kunden einsetzt. Wir sind ein gutes Team, wir halten zusammen, auch wenn wir mal kleine Differenzen haben. Wenn es gilt, sind wir eine verschworene Gemeinschaft. Wir, mein Sohn und ich, wollten uns mit einem Event bedanken, das sehr lange positiv in Erinnerung bleibt. Es war ein Versuch, es hätte auch schiefgehen können! Aber es hat gut geklappt.

Was war Ihr Wunsch vorher? Und was war es dann tatsächlich am Ende? Gab es Dinge, die Sie überrascht haben, die unerwartet waren?

Wer den Camino alleine läuft, hat natürlich ganz andere Gründe und andere Eindrücke als wir jetzt in drei Tagen und im Team. Ich war schon 4-5 Mal auf dem Jakobsweg, das erste Mal war auch in einem größeren Team mit Kollegen. Ich hatte gelesen, das soll so inspirierend sein, und ich wollte entschleunigen. Als ich dann da war, war nichts mit Entschleunigen, da war ich immer mitten drin im Trubel. Die ersten zwei Tage war ich etwas genervt, danach habe ich es genossen. Der Zusammenhalt, die Unterhaltungen unterwegs, das war alles sehr cool. Ich bin da alleine hingefahren und mit Freunden zurückgekommen, so kann ich das sagen.

Deshalb wusste ich auch, in drei Tagen kann man nicht mit sich ins Reine kommen. Dazu ist die Zeit zu kurz und auch die Dynamik mit so vielen Leuten zu groß. Aber ich wusste aus meiner Erfahrung, die Freundschaften, die entstehen, die Gespräche und Eindrücke, dadurch kommen wir als Team noch näher zusammen. Das habe ich mir hiervon erhofft, und das ist auch eins zu eins aufgegangen.

Zum Beispiel habe ich gesehen, dass Leute, die im Betrieb nicht viel miteinander zu tun haben, auf einmal miteinander laufen und sich unterhalten, auch intensiv und emotional. Und ich bin sicher, dass manche, die sich vielleicht nicht ganz so grün waren, dadurch enger zusammenkamen und sich besser verstanden haben.

Was sagt denn Ihre Frau und Ihre Familie dazu, wie Sie das Unternehmen führen?

Die Frage kann ich wohl nur sehr einseitig beantworten! Ich habe vor 28 Jahren die Firma gegründet, ich komme aus einer Zeit, da gab es noch keinen Fachkräftemangel. Da war es deutlich einfacher, Mitarbeiter zu bekommen, es war teilweise schwieriger, Aufträge zu bekommen. Heute ist es ja komplett umgekehrt.

Gerade in der Anfangszeit habe ich einiges von meinem alten Chef übernommen, nach dem Motto, wenn der Chef nicht meckert, ist das gelobt. Das muss man komplett ablegen. Aber für jemanden wie mich, der das gar nicht gewohnt war, war das sehr schwierig und ist es teilweise noch heute. Auf der einen Seite der Motivator zu sein und auch zu loben – auch mal, wenn es nicht komplett gut gelaufen ist, drei, vier Dinge rauszuholen und zu sagen, OK, das habt ihr gut gemacht, auch wenn das andere verbesserungswürdig ist – das ist mir total schwergefallen.

Auf der anderen Seite bist du der Techniker, der Sachverständige, der das Ganze gutachterlich bewertet, auch das eigene Unternehmen. Diese komplette Rolle, Unternehmer, technischer Betriebsleiter, Meister, das war für mich unmöglich in einer Person unterzukriegen. Ich war am Limit, und das hat man auch gemerkt.

Seit mein Sohn mit dabei ist – er hat bei uns gelernt und ist jetzt Meister und auch Geschäftsführer – und er den operativen Part, die technische Betriebsleitung und die Baustellenabwicklung übernimmt, während ich mich um Akquise, Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, aber auch um übergeordnete Mitarbeiterführung und Strategie kümmern kann, fällt es mir leichter, das Ganze positiv zu führen und zu begleiten.

Ob meine Familie alles positiv bewertet, weiß ich nicht – aber sie sehen zumindest, dass ich mir absolute Mühe gebe und dabei selbst mein größter Kritiker bin.

Was wünschen Sie sich für Firmen grundsätzlich, von der Mitarbeiterführung her?

Ich war jetzt gerade wieder in unserer Berufsorganisation in den Meisterklassen unterwegs. Da wurde mir auch die Frage gestellt, wie wir mit dem Fachkräftemangel und anderen Zukunftsthemen umgehen sollen. In den Kursen sind viele junge Talente, die sich selbstständig machen wollen, die fragen, welche Ratschläge ich ihnen mit auf den Weg geben kann.

Das allerwichtigste bei der Unternehmensführung: Du führst Menschen, es geht um Menschen. Du bist Dienstleister, nicht nur am Kunden, sondern auch bei deinen Mitarbeitern. Du musst ein Unternehmensbild zeichnen, dass es Lust macht, hier arbeiten zu wollen. Dass die Leute sagen, das ist ein cooles Unternehmen, das ist richtig stark, da möchte ich Teil des Teams sein und mitarbeiten.

Alles, was dann an Hygienefaktoren wie Geld hinzukommt, nutzt sich ab. Man kann natürlich jemanden über Geld oder mehr Urlaub rekrutieren, aber wie lange. Die Grundhygiene muss natürlich stimmen, keine Frage. Was darüber hinausgeht, das ist nachhaltig. Man muss wissen, wofür man steht, muss seine Werte definieren und die mit seinem Unternehmen verbinden. Dann wird man das anziehen, wofür man selbst steht. Wenn mir Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit wichtig sind, werde ich irgendwann auch ehrliche und aufrichtige Mitarbeiter bekommen.

Wenn man so ein Unternehmensbild zeichnet, wird man auch keine Probleme haben, gute Mitarbeiter und auch gut Kunden zu finden, mit denen es Spaß macht, zusammenzuarbeiten.

Was wünschen Sie sich, wie sollten Firmen/Firmeninhaber grundsätzlich ihre Unternehmen führen?

Da würde ich mir gar nicht anmaßen, Tipps zu geben. Grundsätzlich sollte die Frage klar sein: Bin ich Unternehmer oder bin ich selbstständig? Als Unternehmer arbeitest du am Unternehmen, als Selbstständiger arbeitest du im Unternehmen und bist möglicherweise deine beste Fachkraft. Dieser Zwiespalt war für mich ja früher auch ein Problem. Ich habe anfangs immer versucht, der beste Dachdecker bei mir im Unternehmen zu sein, das war wie ein Wettbewerb. Heute versuche ich die besten Dachdecker an mich zu binden oder die Jungs zu den besten Dachdeckern auszubilden.

Heute arbeite ich bewusst am Unternehmen, versuche es nach vorne zu bringen und in die Zukunft zu schauen. Nicht in die Vergangenheit und auch nicht in die Gegenwart, das kann ich ja nicht beeinflussen. Sondern wie sieht das in absehbarer Zeit aus? Wie kann ich mir mit meinem Team für meine Kunden einen gewissen Vorsprung erarbeiten?

Das kann ich nur, wenn ich mich vom Tagesgeschäft löse, wenn ich die Zeit und die Muße habe, mich mit strategischen Themen zu beschäftigen. Und ich muss investieren, ob in Menschen oder in Sachgüter, um am Ende etwas herauszubekommen.

Vielen Dank für das Interview!

Zimmermann Bedachungen GmbH mit Sitz in 55437 Ockenheim sorgen bei ihren Kunden zu Hause für ein gutes Klima. Nach einer energetische Dachsanierung bleibt es im Winter mollig warm, im Sommer angenehm kühl, und wenn es draußen laut ist, bleibt es innen schön leise. Mehr Informationen hier.

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Dr. Andrea Maria Bokler

Über die Autorin

Ich unterstütze Führungskräfte und Entscheider dabei, wertebasiert in die Zukunft zu denken und in ihrem eigenen Leben und Unternehmen stärker wirksam zu werden.

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